Azubi-Blog

Wie geht's nach der Ausbildung weiter?

Interview mit einem jungen Berater

Ich heiße Annika, bin 17 Jahre alt und Auszubildende im 2. Lehrjahr in der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen eG.

 

Was steckt eigentlich dahinter, wie kann´s weiter gehen?

Diese und weitere Fragen habe ich mir heute für euch gestellt und mich mit Marco  -  einem jungen Gewerbekundenberater - getroffen, um zu hinterfragen, wie es bei ihm weiter ging nach der Ausbildung.

Kurzer Steckbrief zu Marco:

aktuelle Stelle: Gewerbekundenspezialist in der Firmenkundenabteilung Weißenburg

Alter: 22 Jahre

seit wann, wie lange schon in unserer Bank: seit September 2012, also 6 Jahre

 

„Wann begann deine Ausbildung und wann warst du fertig mit deinem Abschluss? Wie alt warst du dann?“

„Meine Ausbildung hat am 01.09.2012 begonnen und ging bis Anfang Februar 2015, da hatte ich meine mündliche Abschlussprüfung. Ich habe mit 15 angefangen, wurde im Oktober dann 16 und war dann mit 18 fertig, also regulär 2,5 Jahre Ausbildungszeitraum.“

 

„Würdest du die Ausbildung rückblickend noch einmal machen? Welche Highlights gab es und was hat dir besonders gefallen?“

„So in diesem Ausbildungskonzept mit Sicherheit ja! Man kommt in verschiedene Abteilungen und hat dadurch viele unterschiedliche Einblicke. Allgemein ist die Ausbildung keineswegs eintönig oder langweilig sondern sehr vielseitig aber auch fordernd. Je länger man schon bei uns in der Raiffeisenbank ist, desto größere Entwicklungschancen hat man, so sehe ich das. Mein Highlight war die Firmenkundenabteilung, in der ich 3 Monate eingeteilt war. Zusammen mit der Immobilienabteilung waren diese Gebiete komplettes Neuland für mich in meiner Ausbildung. Aber auch z. B. in der Marketingabteilung in Gunzenhausen war es wirklich cool. Nicht nur für die Arbeit habe ich was gelernt sondern auch für mein ganzes Leben und das obwohl ich zuvor wirklich keinen Bezug dazu für mich gefunden hatte!

 

„Wie haben dir eigentlich die Seminare gefallen, ich war ja jetzt auch schon 2 mal in Beilngries auf Seminar und kann wirklich positiv berichten.“

„Ich hatte das Glück, dass wir ein mega Lehrjahr waren. Wir haben sogar jetzt noch guten Kontakt zueinander und treffen uns regelmäßig. Die Seminare waren deswegen wirklich cool, natürlich auch fordernd aber durch die vielen Freizeitmöglichkeiten konnten wir auch mal gut abschalten, bevor es mit dem Lernen weiter ging.“

 

„Wie viele wart Ihr in eurem Lehrjahr?“

„Zu siebt, vier Jungs und drei Mädels. Davon sind jetzt noch 6 da. Einer studiert und die anderen verteilen sich auf die verschiedensten Abteilungen in unserer Bank von Vertrieb, dualem Studium oder Beraterjob in den Geschäftsstellen. Wenn das Ausbildungsteam passt geht alles wesentlich einfacher von der Hand und man fühlt sich auch viel mehr unterstützt.“

 

„Wie war deine Laufbahn nach der Ausbildung bis jetzt, welche Weiterbildungen hast du gemacht und welche Möglichkeiten gibt es?“

„Von Februar 2015 bis April 2018 war ich in der Geschäftsstelle in Weißenburg unbefristet, ganztags eingestellt und habe samstags nebenbei den Bankfachwirt über 2 Jahre gemacht. Außerdem habe ich über die Raiffeisenbank den Qualifizierten Kundenberater gemacht mit den Seminaren in Beilngries. Dann war ich noch in Grainau letztes Jahr für den Zertifizierten Finanzplaner, also den Kundenbetreuer. Das war bis jetzt das aller beste Seminar, weil wir einfach ein mega Team waren. Ich hab selten so viel gelacht wie auf diesem Seminar, einfach weil die Zeit zwischen drin so gut genutzt wurde. Das muss man echt einmal gemacht haben!“

 

„Warst du alleine oder hast du jemanden gekannt?“

„Ich war mit einem Kollegen aus der Geschäftsstelle in Nennslingen zusammen dort, deshalb war es schon von vornherein witzig, trotzdem haben wir wirklich viele Menschen kennen gelernt.“

 

„Was kann man so noch machen? Was gibt es so noch für Möglichkeiten?“

„Nach dem Bankfachwirt kann man auch noch den Bankbetriebswirt drauf setzen. Da ich in der  Firmenkundenabteilung arbeite, plane ich noch, das Seminar für den Gewerbekundenspezialisten zu machen. Die andere Möglichkeit wäre ein duales Studium, wie es bei uns ein paar Mitarbeiter machen. Für mich kam das aber nie in Frage, da ich schon meine feste Stelle hatte. Gerade in den jungen Jahren tut das Vollzeitgehalt schon gut wenn man noch keine Verpflichtungen hat.

 

„Welche Herausforderungen gab es als „Frischling“ direkt nach der Ausbildung?“

„Nach der Ausbildung war die größte Herausforderung das Wissen, welches man sich über die Zeit angeeignet hat, entsprechend umzusetzen. Also quasi die PS, die man hat, auf die Straße zu bringen. Während der Ausbildung hatte ich noch keine Beratungen am Schalter. Nach der Ausbildung hat man dann wirklich zugeordnete Kunden, für die man zuständig ist. Man übernimmt quasi dafür die Verantwortung und hat die Pflicht dem nach zu kommen und immer up to date zu sein. Das war am Anfang eine Herausforderung aber auch ein persönlicher Ansporn für mich. Wenn Kunden einen einmal loben dann ist das eine Genugtuung.

 

„Was macht den Job so besonders/ was liegt dir an deiner jetzigen Stelle?“

„Ich kann und darf mich selber organisieren, da ich meine Kundentermine selbst vereinbare. So kann ich mir meinen Tag selber gestalten, wie viele Kundentermine ich am Tag mache und wann ich was angehe. Ich bin eben wesentlich flexibler. Die Firmenkundenabteilung ist ein spezieller Bereich in unserer Bank, sich da das Wissen anzueignen und sich mit Unternehmern auf Augenhöhe unterhalten zu können ist schon wirklich etwas Besonderes finde ich.

 

„War das der Grund, warum du deine Stelle gewechselt hast?“

„Mir hat es am Schalter in Weißenburg wirklich gut gefallen. Die Chance hat sich dann für die Stelle des Gewerbekundenberaters aufgrund der Stellenausschreibung ergeben und ich wollte diese neue Herausforderung  wahrnehmen. Außerdem wollte ich weiterhin in unserer Bank bleiben. Unsere Bank will für die Zukunft auf die jungen Berater bauen.“

 

„Was sind deine persönlichen Stärken und Schwächen?“

„Eine Schwäche von mir ist, dass ich manchmal zu ungeduldig bin. Am liebsten möchte ich oft gleich alles auf einmal können. Auf der einen Seite ist das nicht schlecht, aber manchmal muss man sich selbst die Zeit geben gewisse Sachen umzusetzen. Ich lebe von meiner Sprache und von meinem Reden. Meine größte Stärke ist deshalb, dass ich ein sehr offener Mensch bin. Grundsätzlich ist also die soziale Ader bei mir sehr stark ausgeprägt.“

 

„Das passt ja dann perfekt für deinen Job oder ?“

„Richtig ja, ein Berater der sich hart tut im Reden und auch Scheu hat, sich in den Kunden hineinzuversetzen, wird es immer schwieriger haben. Das Klima im Gespräch ist dann einfach ganz anders. Wenn man dem Kunden auf Augenhöhe begegnet und offen für neue Dinge ist, ist das in unserem Beruf ein großer Vorteil. Wenn ich anschaue was mittlerweile alles über den PC läuft, ist das schon erstaunlich und lehrreich. Wobei das wahrscheinlich vielen jungen Mitarbeitern in unserem Alter so geht. Das Persönliche darf aber daran niemals verloren gehen.“

 

„Woher wusstest du dass der Job die richtige Entscheidung war?“

„In der Ausbildung muss man wirklich selbst herausfinden, welchen Weg man gehen möchte. Das war bei mir ein schleichender Prozess, bis ich festgestellt habe, dass ich in die Beratung möchte. Als es dann wirklich so weit war und ich meine eigenen Kunden hatte,  war das große Vertrauen der Kunden, welches mir entgegengebracht wurde ein Punkt der mir Bestätigung brachte. Es wird sich viel um einen gekümmert und man sieht viel. Außerdem fließt sozusagen das blau-orangene Blut schon in meinen Adern, da bereits ein Teil meiner Familie bei einer Raiffeisenbank war bzw. ist.“

 

„Finden deine Freunde „spießig“ dass du Bänker bist?“

„Der Beruf hat sich in den letzten Jahren wirklich verändert. Spießig gar nicht, vor allem wissen meine Freunde wie ich selber bin und ich bin privat nicht spießig also ist das auch im Geschäft nicht anders. Hemd und Krawatte wirkt vielleicht etwas starr, aber ich muss sagen ich fühl mich beruflich wirklich wohl in den Klamotten. Es sieht gut aus, macht was her und ein Bänker in kurzer Hose und T-Shirt wirkt einfach nicht sehr kompetent. Ich glaube der Beruf Bänker wird in der Allgemeinheit noch etwas unterschätzt, da viele gar nicht wissen wie viele Aufgaben wir haben und welche Arbeiten, Erfahrungen und Know-How eigentlich dahinter stecken. Ich denke aber, dass ich in meinem Freundeskreis und in meiner Familie sehr gut widerlegen konnte, dass Bänker spießig sind. Dieses Wort verbindet man denke ich sehr oft mit der Vergangenheit, dabei sind Bänker mittlerweile wirklich modern geworden, gerade auch bei uns auf dem Land und bei uns in der Raiffeisenbank.“

 

„Erinnerst du dich an deine peinlichste Situation in einer deiner Kundenberatungen oder generell in der Bank?“

„Also mir ist schon einiges passiert, zum Beispiel als ich einem Kunden im Gespräch etwas zum Trinken angeboten hatte. Als ich das Tablett dann auf den Tisch abstellen wollte ist das komplette Wasser auf dem Schoß des Kunden gelandet. Natürlich passieren auch mal Namensverwechslungen oder ähnliches.

Da fällt mir auch noch die Eisgeschichte als Praktikant ein, die allerdings jetzt nicht einem Kundengespräch geschehen ist. Damals wurde ich in der Mittagspause zum Eis holen zur Eisdiele direkt um die Ecke geschickt. Es hieß, die wissen schon wenn ich sag „Für die Raiffeisenbank“ wie sie es zusammenrichten sollen`→     normal war das in Bechern! Allerdings war an diesem Tag auch eine Praktikantin hinter der Theke und fragte mich dann, ob das Eis in der Waffel oder im Becher bestellt ist. Natürlich sagte ich planlos in der Waffel und konnte dann 7 oder 8 Waffeln mit Eis in die Bank tragen. Bis ich um das Gebäude herum gelaufen war, versaute ich natürlich meinen ganzen Anzug, was wirklich peinlich war, da ich ja den ganzen Tag dann noch in der Bank war!“

 

„Ist die Eingliederungsphase als Neuling schwer? Wie und von Wem hast du Hilfe bekommen und wie ist das Betriebsklima? wurdest du gut mit aufgenommen oder auch einmal ausgegrenzt?“

„Egal in welcher Abteilung ich war, ich bin von jedem gut aufgenommen worden und auch gut zurecht gekommen. Dadurch dass du in der Ausbildung eigentlich jeden Mitarbeiter kennen lernst und nach der Ausbildung einen festen Bereich hast in dem du arbeitest, weist du wer hinter welchem Bereich steckt und auch wer persönlich dann am Telefon ist. Das ist ein ganz anderer Umgang. Ich bin noch nie zurück gewiesen worden, wenn ich Fragen hatte. Das Betriebsklima allgemein in unserer Bank finde ich echt richtig gut, natürlich ist man mit den Kollegen in seiner Abteilung noch besser vertraut. Gerade in der ersten Zeit, muss man ja noch viel dazu lernen. Besonders das habe ich jetzt am eigenen Leib wieder in der neuen Abteilung erfahren, wie wertvoll und hilfreich gute Kollegen sind! Gerade bei Fragen über das Thema hinaus merkt man, dass Sie ihr Wissen gern weiter geben.

 

„Was hilft dir nach der Arbeit abzuschalten – welche Hobbys hast du?“

„Nach der Arbeit hilft mir mein Fußballtraining und zwischendrin auch das Joggen in der Mittagspause. Das mag sich verrückt anhören, aber zusammen mit den Kollegen motiviert man sich gegenseitig und nach einer kurzen Dusche setzt man sich an seinen Computer wie ein völlig neuer Mensch. Natürlich mag das mit den langen Haaren bei den Mädels nicht so einfach gehen. Klar ist die Mittagspause dann auch zwei bis drei mal die Woche ausgedehnter aber durch das Stundenkonto kann man sich seine Zeit sehr flexibel einteilen und sich die Freiheit ab und zu nehmen. Am Wochenende mache ich auch viel mit meinen Freunden. Ich hatte noch nie das Problem, dass mich Sachen von der Arbeit noch zu Hause beschäftigt haben. Sonst wird mir eigentlich auch nicht langweilig, ich gehe gerne Ski fahren, bin in der Feuerwehr oder spiele auch im Theater mit.“

 

„Deine Zukunftspläne – was bewegt dich? Wo siehst du dich in 10 Jahren?“

„Diese Frage durfte ich erst letztens im Personalentwicklungsgespräch beantworten. Stand heute sehe ich mich auf jeden Fall in unserer Bank. Ich sehe mich langfristig als Firmenkundenbetreuer in unserer Abteilung, das bedeutet auch größere Firmen betreuen zu dürfen. Das ist mein Ziel, da das Aufgabengebiet auch einfach noch einmal breiter ist.“

 

„Gibt es noch etwas wichtiges, was du los werden möchtest?“

„Macht eine Ausbildung & lest den Blog! Gerade wenn man Gespräche von Mensch zu Mensch führt und die Personen mit potentiellem Interesse an einer Stelle sich das einmal durchlesen können und auch sehen wie menschlich ein Bankberater sein kann, nimmt das schon noch eine gewisse Angst die man unter Umständen hat. Mir macht der Beruf auf jeden Fall Spaß, und ich denke es ist gut raus gekommen, dass Bänker genau so Menschen sind wie der Rest der Bevölkerung, mit Hobbys etc.. . Nur weil wir „Anzugträger“ sind und uns anziehen wie wir uns anziehen, heißt das nicht, dass wir nicht ganz normale Menschen sind und genau so unsere privaten und beruflichen Ziele haben und uns nicht von anderen Berufen unterscheiden.“

Mal nicht in der Beratung sondern im Interview - Azubine Annika hat sich einige Fragen für Marco überlegt